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DIN VDE 0100-600: Was regelt die Erstprüfung elektrischer Anlagen?

Die DIN VDE 0100-600 legt fest, wie eine neue, erweiterte oder geänderte Niederspannungsanlage geprüft wird, bevor sie in Betrieb geht: durch Besichtigen, Erproben und Messen, abgeschlossen mit einem Prüfbericht. Gültig ist die Ausgabe 2017-06; ein Entwurf für eine Neuausgabe liegt seit Ende 2025 vor. Wiederkehrende Prüfungen regelt sie nicht.

Fachlich geprüft durch die FAM Gebäudedienste GmbH am

Bevor eine neue Elektroinstallation Strom führen darf, muss jemand nachweisen, dass sie sicher errichtet ist. Wie dieser Nachweis geführt wird, beschreibt die DIN VDE 0100-600. Sie ist der Prüfteil der großen Normenreihe DIN VDE 0100 für das Errichten von Niederspannungsanlagen und betrifft Neubauten ebenso wie die Erweiterung einer Unterverteilung oder den neuen Stromkreis für einen Ladepunkt.

Herausgeber und Einordnung

Der vollständige Titel lautet „Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen“. Die Norm übernimmt das europäische Harmonisierungsdokument HD 60364-6:2016 mit der Änderung A11:2017, das wiederum auf der internationalen Norm IEC 60364-6:2016 beruht. Zuständig ist bei der DKE das Unterkomitee UK 221.1, das sich mit dem Schutz gegen elektrischen Schlag befasst.

Wie jede VDE-Norm ist sie eine anerkannte Regel der Technik und kein Gesetz. Verbindlich wird sie über Vorschriften, die solche Regeln voraussetzen. Die DGUV Vorschrift 3 etwa verlangt in § 5, dass Anlagen vor der ersten Inbetriebnahme und nach einer Änderung von einer Elektrofachkraft oder unter deren Leitung geprüft werden, und dabei die elektrotechnischen Regeln beachtet werden.

Ausgabe und laufende Überarbeitung

Gültig ist die Ausgabe 2017-06. Gegenüber der Vorgängerausgabe von 2008 nennt der Verlag unter anderem Präzisierungen zur Durchgängigkeit der Verbindungen zu Körpern, zum Isolationswiderstand zwischen aktiven Leitern und zur Prüfung der Spannungspolarität; den Erderwiderstand darf man seither auch berechnen statt messen. Ein nationaler Anhang beschreibt ergänzende Prüfungen.

Im November 2025 ist der Entwurf E DIN VDE 0100-600:2025-12 erschienen, der auf einem neuen internationalen Entwurf beruht. Die Einspruchsfrist endete im Januar 2026. Neu ist ein Anhang zu wiederkehrenden Prüfungen in Wohngebäuden. Bis eine Neuausgabe veröffentlicht ist, bleibt die Ausgabe 2017-06 maßgeblich.

Wann die Erstprüfung fällig ist

Die Norm verlangt die Prüfung nach Fertigstellung einer neuen Anlage und nach jeder Erweiterung oder Änderung einer bestehenden Anlage, und zwar bevor sie dem Betreiber zur Nutzung übergeben wird. Bei Änderungen ist zu prüfen, ob der neue Teil selbst den Anforderungen entspricht und ob er die Sicherheit der bestehenden Anlage nicht beeinträchtigt.

Anlass Typisches Beispiel Wer prüft
Neubau neue Gewerbehalle, neuer Büroausbau Errichter
Erweiterung zusätzliche Unterverteilung, neue Stromkreise für Arbeitsplätze Errichter der Erweiterung
Änderung Umbau der Hauptverteilung, Austausch von Schutzeinrichtungen Errichter der Änderung

Feste zeitliche Fristen kennt die Erstprüfung nicht; sie ist an den Anlass gebunden.

Was geprüft wird

Die Erstprüfung gliedert sich in drei Teile:

  • Besichtigen: Bei abgeschalteter Anlage wird kontrolliert, ob die Betriebsmittel richtig ausgewählt und unbeschädigt sind, ob Schutz gegen direktes Berühren besteht, Leitungen passend verlegt und gekennzeichnet sind und ob Schutz- und Überwachungseinrichtungen richtig eingestellt sind.
  • Erproben und Messen: Dazu gehören unter anderem die Durchgängigkeit der Schutzleiter und der Potentialausgleichsverbindungen, der Isolationswiderstand, die Spannungspolarität und der Nachweis, dass die Schutzmaßnahmen im Fehlerfall wirken, etwa über Schleifenimpedanz und die Auslösung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen. Funktionsprüfungen schließen die Prüfung ab.
  • Dokumentieren: Ein Prüfbericht hält fest, was besichtigt, erprobt und gemessen wurde und mit welchem Ergebnis. Nach einer Auslegung der DKE von 2019 gehören das Ergebnis und die für die Bewertung relevanten Prüf- und Messwerte in den Bericht; jeden einzelnen Messwert aufzuführen, ist nicht gefordert.

Messverfahren und Grenzwerte stehen in der Norm und in den mitgeltenden Teilen der Reihe DIN VDE 0100; sie hängen von Netzform und Schutzeinrichtungen ab.

Abgrenzung zu den Nachbarnormen

Die Erstprüfung weist nach, dass eine Anlage richtig errichtet wurde. Ob sie im Betrieb in ordnungsgemäßem Zustand bleibt, ist Sache der wiederkehrenden Prüfung nach der DIN VDE 0105-100. Die früher in der Erstprüfungsnorm enthaltenen Anforderungen an wiederkehrende Prüfungen wurden 2017 dorthin verschoben.

Für Räume und Anlagen besonderer Art ergänzen eigene Teile der Gruppe 700 die Errichtungsregeln, zum Beispiel die DIN VDE 0100-722 für Stromkreise von Ladepunkten. Die Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 berücksichtigt dann auch deren besondere Anforderungen.

Bedeutung für Betreiber

Für Unternehmen ist der Prüfbericht der Erstprüfung ein wichtiges Dokument: Er belegt den Ausgangszustand und ist die Grundlage für alle späteren Wiederholungsprüfungen. Bei Bauabnahmen, Umbauten oder dem Einzug in neue Räume lohnt es sich deshalb, den Bericht ausdrücklich anzufordern und zu den Anlagenunterlagen zu nehmen. Fehlt er, muss die nächste Prüfung den Zustand mit mehr Aufwand neu erheben. Wie die FAM bestehende Anlagen im Betrieb prüft, steht auf der Seite Prüfung ortsfester elektrischer Anlagen.

Häufige Fragen

Wer führt die Erstprüfung durch?

In der Regel der Elektrobetrieb, der die Anlage errichtet oder geändert hat, durch eine Elektrofachkraft. Er übergibt dem Auftraggeber den Prüfbericht. Für Arbeitgeber verlangt auch die DGUV Vorschrift 3 eine Prüfung vor der ersten Inbetriebnahme und nach Änderungen durch eine Elektrofachkraft oder unter deren Leitung.

Muss jede Steckdose nach einer Renovierung neu geprüft werden?

Geprüft wird, was neu errichtet, erweitert oder geändert wurde, und zwar so weit, dass die Sicherheit dieses Teils und seiner Einbindung in die bestehende Anlage nachgewiesen ist. Welche Stromkreise das betrifft, ergibt sich aus dem Umfang der Arbeiten.

Muss der Prüfbericht jeden einzelnen Messwert enthalten?

Nach einer Auslegung des zuständigen DKE-Gremiums aus dem Jahr 2019 nicht jeden einzelnen. Pflicht sind das Ergebnis und die für die Bewertung relevanten Prüf- und Messwerte, nachvollziehbar dokumentiert. Eine ausführlichere Dokumentation aller Einzelwerte lässt sich zusätzlich vereinbaren; sie erleichtert spätere Prüfungen.

Gilt die DIN VDE 0100-600 auch für die regelmäßige Prüfung bestehender Anlagen?

Nein. Die Anforderungen an wiederkehrende Prüfungen wurden in die DIN VDE 0105-100 überführt. Die DIN VDE 0100-600 bleibt die Norm für die Erstprüfung.